Archiv des Autors: Stefanie

Kein leichter Job

Am Dienstagabend gegen 19 Uhr bin ich noch einmal schnell auf die Baustelle geradelt, um den aktuellen Fortschritt beim Hintermauerwerk zu bestaunen. Als ich ankam rangierte ein großer Sattelschlepper einsam und allein ganz ohne Einweiser in unserer Baustraße. Ich grüßte den Mann und sprach ihm meinen Respekt darüber aus, dass er ganz allein den LKW metergenau rangierten müsste. Er erwiderte dass dies eher selten so anerkannt werde.

Wir kamen ein bisschen ins Quatschen und so erzählte er, dass er heute schon auf zehn Baustellen war, um Material anzuliefern und dabei heute sein Hochzeitstag war. Dann fragte er mich, ob ich noch wüsste wo er frisches Wasser herbekommen könne, um sich zu waschen und zu kochen. Daraufhin versuchten wir es am Bauwasseranschluss auf unserem Grundstück, was leider nicht funktionierte, weil dieser mit Werkzeug abgesperrt worden war. Das machte mich unendlich betroffen.

Hinten am Sattelschlepper hatte er einen kompletten Gabelstapler dabei, mit dem er dann flink die Ladung für den nächsten Morgen zurechtrückte. Er erzählte mir, dass er für einen großen Bauträger Material anliefere, u.a. Fenster, die so teuer seien, dass er sie den Handwerkern direkt am nächsten Morgen persönlich übergeben müsse. Schon allein deswegen musste er nachts bei der Ladung auf der Baustelle bleiben. Ich schlug dann vor, gemeinsam zur benachbarten Gärtnerei zu laufen und dort nach Wasser zu fragen. Gesagt, getan und so war ich froh, dass ich, wenn schon nicht mit Bauwasser, wenigstens mit etwas Ortskenntnis weiterhelfen konnte.

Ich schreibe dies vor allem, um in Erinnerung zu rufen, wie gut man es im eigenen Job hat und welch harte Arbeit andere tagtäglich für uns machen, deren Leistung anerkannt werden sollte.
Und so gut der Ruf eines bestimmten großen Bauträgers ist, fragt man sich doch, was von dem vielen Geld, das die Bauherren für ihr Haus bezahlen, bei den dafür hart arbeitendenden Handwerkern und LKW-Fahrern tatsächlich ankommt.

Ya viene – ya falta poco

Das Busfahren in Nicaragua und Costa Rica erfordert manchmal blitzschnell von einem Bus in den nächsten zu wechseln und manchmal reichlich Geduld mitzubringen. Nachdem wir im Treehouse und der Laguna Apoyo waren, hieß es für uns wieder in Richtung Landesgrenze nach Costa Rica aufzubrechen.

Für die Strecke von der Laguna Apoyo mussten wir zunächst wieder nach Granada. Wir nahmen für diese Strecke ein Taxi und ließen uns in der Nähe der Post absetzen, um noch einige Postkarten aufzugeben.

Die Weiterfahrt hatten wir uns anschließend schneller vorgestellt. Es war 11 Uhr am Vormittag und das Fenster für den Verkaufspunkt des Busses Transnica war nicht besetzt. Ein Einheimischer erzählte mir, dass die Frau, die dort normalerweise Kunden bedient, meistens bei ihrer Schwester verweilt und wir klingelten dort. Leider war sie auch dort nicht aufzufinden und wir spielten mit dem Gedanken, zunächst einen Bus nach Rivas zu nehmen, um von dort weiter zum Grenzort zu fahren. Da allerdings auch der Bus nach Rivas erst gegen 13:30 Uhr fahren sollte, entschieden wir uns dafür, noch bei einem anderen Überlandbusunternehmen anzufragen, nämlich Ticabus. Dort bekamen wir die Information, dass um 13 Uhr ein Bus Richtung Grenze und von dort weiter nach San José fahren würde. Allerdings hatte dies einen gewaltigen Haken: obwohl wir nur bis La Cruz in Costa Rica fahren wollten, hätten wir den vollen Preis bis San José zahlen müssen. Und dieser hätte soviel betragen, als ob wir ein Taxi die 2 1/2 Stunden bis zur Grenze genommen hätten.

Als wir schließlich wieder beim geschlossenen Transnica vorbeischlenderten, rief man uns zu sich. Eine ältere Dame griff zum Telefon und teilte mit, dass zwei Turisten den Bus um 14 Uhr nehmen wollten und man bat uns in ihrem Wohnzimmer zu warten. Aha, also würden wir um 14 Uhr zur Grenze aufbrechen können.

Schließlich trudelte irgendwann die Frau vom Schalter ein und schloss uns auf. Außerdem rief sie den Busfahrer an und erfuhr, dass der Bus später kommen würde (schätzungsweise um 14:30 Uhr). Es hieß also wieder warten und ich hoffte, wir würden den Grenzort noch im Hellen erreichen.

Gefühlt haben wir mittlerweile schon mehr Zeit mit Warten auf Busse verbracht, als dass wir gefahren wären. Es ist auf jeden Fall eine ordentliche Portion Geduld gefragt. Die Locals kommentieren meistens:

“Ya viene.” (Gleich kommt er)

“Ya falta poquito” (Jetzt fehlt nicht mehr viel)

Dabei kann “Ya viene” durchaus 30 Minuten weitere Wartezeit bedeuten.

Kurios war noch, dass an der Grenze die Pässe aller Passagiere eingesammelt wurden und als Stapel den Grenzbeamten zum Abstempeln gereicht wurden. Defakto wurde unsere Identität bei der Ausreise gar nicht überprüft. Aber so ging es schneller und nachdem der Bus durch weitere Grenzbeamte inspiziert wurde, erhielten wir unsere Pässe samt Ausreisstempel für Nicaragua wieder.

Die Einreise nach Costa Rica war anschließend wie immer freundlich. Wir bekamen sogar einen Reisetipp. Für alle, die grenzüberquerend in Zentralamerika reisen, hier noch ein Ratschlag: immer das Ausreiseticket zum Vorzeigen bereithalten und außerdem eine Adresse einer Unterkunft am Zielort.

Wir kamen übrigens noch im Hellen über die Grenze, wo sich Geldwechsler sowie Hängematten- und Mobilfunkverkäufer tummelten. Als wir schließlich in La Cruz den Bus verließen, war es bereits stockdunkel. Wir fanden kurzerhand ein Taxi, das uns zu einem Hostel fuhr. Während des stundenlangen Wartens hatten wir bereits beschlossen, die Nacht lieber in La Cruz zu verbringen.

Alles in allem gilt es ein Gefühl für die lokale Sprache zu entwickeln. Denn mit “gleich” ist hier eben manchmal eine Stunde gemeint.

Der etwas andere Baumhaus-Wecker

Im Prinzip hat es uns initial wegen der Möglichkeit in einem Baumhaus zu übernachten, nach Nicaragua verschlagen. Das Treehouse Nicaragua war allerdings nicht nur für die Jungle-Atmosphäre bekannt, sondern auch für seine Jungle Rave Parties. Dies erfuhren wir allerdings erst nach unserer Ankunft.

Die Tage vor der großen Jungle-Party verliefen allerdings äußerst entspannt. Jeden Abend gab es ein kleines Spiel, wie in Teams gegeneinander Begriffe erraten oder ein Wissensquiz. Der Spaß kam also nicht zu kurz, denn ganz ohne Internet, nur mit Hängematte im Jungle, da kann schon mal Langeweile aufkommen.

Langeweile allerdings ist manchmal genau das, was man braucht, um der durchgetakteten Welt zumindest eine Zeitlang den Rücken zu kehren. Wenn man sich also fragt, ob man jetzt lieber Lesen oder Bloggen soll zum Beispiel und sich schlussendlich für’s Dösen entscheidet.

Übrigens sollte man abends aufpassen, nicht zuviel zu trinken, denn des Nachts mit Stirnlampe das Baumhaus acht Meter herunter und anschließend den Berg fünfzehn Meter hoch zu klettern, um zu den Toiletten zu kommen, ist schon etwas für Fortgeschrittene.

Geweckt haben uns übrigens morgens nicht allein die Brüllaffen. Bei Anbruch eines jeden Tages pünktlich Zehn vor Acht kam ein riesengroßer Käfer ins Baumhaus geflogen und surrte wie ein Alarm ohne Schlummer-Funktion. Unser Baumhaus-Wecker eben.

Unser eigenes Baumhaus
Brüllaffen
Die Hangout-Plattform

Paciencia

Ich hatte bereits geschrieben, dass ich meine Zeichenutentisilien mit auf Reisen genommen habe. In Jacó in Costa Rica gab es eine Künstlerin, die Unterrichtsstunden angeboten hat. Leider passten diese Workshops zeitlich nicht. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, hatte ich die Idee, mich stattdessen in Nicaragua nach “clases” zu erkundigen.

In der Casa Tres Mundos in Granada machte ich den Künstler Jamir ausfindig, der bereit war, mir Unterrichtsstunden zu geben. Nach unseren Erlebnissen mit den Schildkröten, entschied ich mich dafür, eine solche mit Jamirs Acrylfarben auf Leinwand zu malen.

Er zeigte mir, wie ich zunächst eine Grundierung anfertige, die dann kurze Zeit trocknen musste. Danach zeichnete ich mit Bleistift die Umrisse der Schildkröte vor. Da mir das Bild anfangs noch nicht so gut gefiel, hat dieser Artikel, die Überschrift “Paciencia” erhalten, was übersetzt Geduld bedeutet. So geht man bei der Acrylmalerei Schicht für Schicht vor. Da ich anfangs diese Geduld noch nicht hatte, ermutigte mich Jamir regelmäßig mit “El arte es paciencia.” (Kunst ist Geduld). Am schönsten ist das Gefühl, wenn man sich mit seinem Kunstwerk verbunden fühlt und regelrecht darin versinkt.

Nach der Grundierung habe ich die Schildkröte vorkoloriert und dabei die Farben mit Wasser ineinander verlaufen lassen. Nach und nach mischten wir weitere Farben an und applizierten sie. Erst im dritten Schritt wurden die Flossen mit Umrissen versehen und der Schildkrötenpanzer erhielt erhält seine Struktur. Dann folgten die Schattierungen, die mit einem wässrigen Schwarz vorsichtig aufgetupft wurden. Hier konnte ich viel von Jamir lernen. Zum Schluss haben wir das Bild mit Farbsprenkeln unterschiedlicher Couleur versehen, was das Kunstwerk lebendiger wirken lässt.

Das Acrylbild so wie es in diesem Artikel abgebildet ist, ist über zwei Tage hinweg entstanden mit jeweils etwa drei Arbeitsstunden.

Wie der Otai nach Nicaragua kam

Auf Tonga haben wir das Erfrischungsgetränk Otai kennengelernt, das aus Wassermelone, Kokoswasser und dem Fleisch der Kokosnuss bereitet wird. Wie der Otai nach Nicaragua kam? Dazu später mehr.

Dieser Artikel dreht sich um Essen und Getränke in Costa Rica und Nicaragua. Passenderweise warten wir gerade auf unser Frühstück, während ich blogge.

Vom Gallo Pinto, das aus Reis und Bohnen und Gewürzen bereitet wird, haben wir bereits berichtet. Neben den Platanós Maduros (reife Bananen frittiert) werden aus Bananen auch die überaus leckeren Patacónes hergestellt. Hierzu werden Kochbananen in etwa 4 cm lange Stücke geschnitten und frittiert. Anschließend werden diese zylindrischen Stücke plattgerdrückt und erneut in der Pfanne gebraten. Dazu passt Guacamole oder Käse. Beides gibt es hier in Mittelamerika.

Dann gibt es noch eine Reihe an Variationen des Gallo Pinto, das zum Mittag mit weiteren Zutaten auch “Casado” genannt wird. Wenn man dieses bestellt, bekommt man zu den würzigen Reis und Bohnen Fisch oder Fleisch sowie Salat und manchmal Tortillas gereicht.

In Jacó gab es ein Restaurant namens Fish Taco. Der Name war Programm, denn es gab köstliche Regenbogenforelle sowie Mahi Mahi in Ingwer-Honig-Soße. Dazu ein reichliches Salatbuffet inklusiver des pikanten Tomaten-Zwiebel-Mixes namens Pico de Gallo.

Kommen wir zu den Getränken. Batidos sind sehr beliebt in Zentralamerika. Hierfür wird frisch gepresster Fruchtsaft mit Eiswürfeln und Milch gemixt. Äußerst erfrischend. Es gibt auch die Variante mit Eiscrème und Früchten als Getränk. Bei den Getränken bleibend haben wir auch Tamarindensaft probiert, der süß-säuerlich schmeckt. Häufig findet man kleine Straßenstände, die Orangen auspressen oder frische Kokosnuss anbieten. Da in diesen Breiten Kaffee angebaut wird, gibt es auch hiervon reichlich.

Zurück zum Otai. Wir sitzen in unserer Strandlodge gemütlich in einer Schaukel am Tresen und bestellen ein Kokoswasser. Darauf hin geht Yader mit einer Machete vom Tresen fünf Meter rüber zur nächsten Palme und schlachtet eine Kokosnuss. Mit dieser Frische hatten wir nicht gerechnet. Außerdem steht Melone auf der Karte und schon macht sich die Erinnerung an den tongaischen Otai in den Gedanken breit. Wir fragen, ob Otai hier bekannt ist. Das ist zwar nicht der Fall, aber alle sind interessiert und so wagen wir am folgenden Tag das Experiment. Am Ende sind sich (fast alle – bis auf Yader, der Kokoswasser nicht so gerne mag) einig, dass das Experiment geglückt ist und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Otai hier demnächst ein fester Bestandteil der Getränkekarte wird.